Zur Felseneremitage

26.7.2025 – Es ist zwanzig vor neun und ich stehe mit meinem Motorrad alleine am Treffpunkt zur heutigen Tagestour für die vhs. „Merkwürdig“, denke ich mir, „bin ich am falschen Ort“? Schnell noch mal auf der Homepage der Volkshochschule nachgeschaut. Nein, der Rastplatz Heidenfahrt ist richtig. Fünf Minuten später treffen die ersten Teilnehmer ein. Heute ist wieder „volles Haus“.

Eigentlich wären wir insgesamt 16 gewesen, ein Teilnehmer war kurzfristig verhindert, bei einem anderen wollte das Motorrad nicht anspringen und einem dritten war die Wetterprognose zu unsicher, so dass wir uns schlussendlich mit 13 Maschinen auf den Weg zur Felseneremitage nach Bretzenheim im Nahetal auf den Weg machten.

Ein kurzes Stück auf der Autobahn, dann ging es auf kleinen kurvenreichen Straßen durchs Rheinhessische. Kurz vor dem Ziel kommen erste Zweifel auf: wir biegen auf einen Feldweg ab, der zu einem Campingplatz führt. Kein Hinweisschild zur Felseneremitage. Stefan, der mit seiner Gruppe schon vorausgefahren war, steht an einem Abzweig und meint: „Hier kommen wir nicht weiter. Wir müssen wohl außen rum fahren. Die Zufahrt ist ist für motorisierte Fahrzeuge gesperrt“.

Wie es der Zufall so will, hatte ich beim Losfahren spaßhalber neben dem bewährten Garmin-Navi auch mein Handy mit der TomTom AmiGo-Navi-App an den Lenker geklemmt und siehe da – die zeigt eine Alternativroute an, die sogar die wegen Bauarbeiten gesperrte Brücke nahe Bretzenheim elegant umfährt. Um 9:59 Uhr rollen stehen wir am Parkplatz, für 10:00 Uhr waren wir verabredet.

Uwe Schneider, Wein- und Kulturbotschafter, wartet schon auf uns. Er wird uns heute in die Geheimnisse der Felseneremitage einweihen. Schon vor 5.000 Jahren habe man in der Region erste Besiedlungen nachweisen können. Bei der Felseneremitage handele es sich wohl um ein altes Heiligtum, dass in frühchristlicher Zeit dann umgewidmet worden sein. 1043 sei eine erste Kirche erwähnt worden, zwei weitere hätte es noch gegeben. Sie alle wurden durch Felsstürze zerstört. Die Felsnischen – insgesamt rund 90 Quadratmeter groß – wären unter anderem als Oratorium und Refektorium genutzt worden; vor den Felsen hätte es immer wieder große Anbauten gegeben. Die Anlage sei insgesamt wohl sehr eindrucksvoll gewesen.

Von 1716 bis 1827 Eremiten lebten in der Felseneremitage mehrere Eremiten, der letzte starb 1827 nach 51 „Dienstjahren“ im Alter von 82 Jahren. Betreten dürfen wir die Räumlichkeiten nicht – es besteht Einsturzgefahr. Aber Fotos zeigt uns Uwe Schneider und erzählt so manche kurzweilige Anekdote, die das Leben rund um die alte Kultstätte lebendig werden lässt.

Die müsste dringend saniert werden. Vor Jahren wurden mächtige Anker in den brüchigen Fels getrieben, um das Gestein zu stabilisieren. Jetzt soll eine Stiftung helfen, die nötigen Gelder aufzutreiben. „Wir würden zudem gerne wissen, was sich im Boden unter uns noch für Geheimnisse verbergen“, machte Uwe Schneider deutlich. Um das herauszufinden, fehlt es an den nötigen finanziellen Mitteln – irgendwie schade.

Bis zum Mittagessen bleibt noch etwas Zeit. Die wollen wir für eine spontane Kaffeepause nutzen. Das nächste Cafe ist nicht weit. Nur fünf Minuten bis zur Bäckerei Grünewald sagt google. Das passt. Ich rufe lieber vorher noch mal an, schlagen wir dort doch unangemeldet mit 13 Personen auf. Eine nette Mitarbeiterin meldet sich uns meint, das sei überhaupt kein Problem. Sie habe nur nicht so viele Porzellantassen, ob sie uns den Kaffee auch im Pappbecher ausschenken dürfe? Na klar – und ein Stück Kuchen nehmen wir auch. Danke für den tollen Service.

Die „Domäne am See“ ist unser nächstes Ziel. Es geht Richtung Simmern, auf möglichst kleinen kurvenreichen Straßen. Die spontane Kaffeepause erweist sich im Nachhinein als taktisch klug. Stellenweise sind die Straßen nass – wir fahren dem Regen hinterher …

Wir sitzen auf der Terrasse, genießen das herrliche Wetter – und das leckere Essen. Schnitzel gibt es, in allen Variationen; auch ein Zigeunerschnitzel steht auf der Karte (ein Jägerschnitzel ebenfalls). Ich frage den Wirt, wie denn die Gäste darauf reagieren würden? „Die meisten finden es gut, dass wir weiterhin die gebräuchlichen Namen nutzen. Und so lange wir das dürfen, machen wir das auch“, meint er. „Dürfen? Was soll das heißen“, merke ich an? In Baden-Württemberg seine Gastronomen angehalten, diese Begriffe nicht mehr zu verwenden, ansonsten drohe ein Bußgeld, erklärt er uns – und nimmt die Bestellung auf: Zigeunerschnitzel natürlich …

Nach einem kleinen Verdauungsspaziergang um den See fahren wir zurück an den Rhein. Der „Loreleyblick“ bei St. Goar ist der Ziel, den wir nur auf Umwegen erreichen, legen wir bei der Zufahrt doch noch ein paar kurvenreiche Schleifen ein. Mit Blick auf die Loreley genießen wir selbstgebackenen Kuchen (der Rhabarber-Schmand ist unser Favorit) sowie hausgemachtes Eis und lassen den Tag ruhig ausklingen.

Zwei Stunden bis nach Hause sagt das Navi, bei kurvenreicher Strecke und ohne Autobahn. Ich fahre bei Kaub mit der Fähre über den Rhein und mache Fotos vom ollen Blücher. Der hatte in der ersten Januarwoche 1814 hier mit 50.000 Soldaten, 15.000 Pferden und 182 Geschützen den Rhein überquert, um die napoleonischen Truppen weiter zurückdrängen zu können. Russische Pioniere hatten zuvor aus Leinwand und Teer rund 70 Pontons gefertigt.

Kurz nach 20 Uhr – und einige Fotostopps später – steht die BMW wieder in der Garage.

War ein schöner Tag heute. Wo wir entlang gefahren sind, zeigt das Relive-Video:

https://www.relive.com/de/view/veqzdNJLE7O

Die nächsten Tagestouren, die wir für die vhs des Main-Taunus-Kreises anbieten:

Mehr Infos und die Möglichkeit, Dich über die Website der vhs anzumelden, findest Du hier:

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