Tagesarchiv: 08/09/2024

Im Korso über die alte Pass-Straße

SONNTAG, 8.9.2024 – Nass geworden sind heute fast alle – außer mir. Aber das hatte einen guten Grund.

Zu viert sitzen wir heute am Frühstückstisch. Dieter und Heinz-Otto, die schon am Freitag mit Auto und Hänger angereist sind, sowie Kai, der – ebenso wie ich – am Samstag auf vier Rädern in einem Rutsch durchgefahren ist; das Motorrad „im Gepäck“.

Das Buffet lässt keine Wünsche offen: süßen Kuchen, Wurst und Käse, frisches Obst, Rührei und Speck – alles, was das Herz begehrt.

Gegen 10 Uhr schwingen wir uns auf die Motorräder, eine Stunde später als sonst üblich. Dieter und Hans-Otto wollen eine alte, unbefestigte Militärstrasse erkunden, Kai plant schon mal eine unserer Touren abzufahren und ich wollte eigentlich schon mal schauen, wie wir zur Sacra di San Michele kommen, der gewaltigen Kirche vor den Toren Turins, die auf einem Felssporn errichtet wurde.

Doch mein Navi macht mir einen Strich durch die Rechnung: die geladenen Karten passen nicht zur Route, steht im Display – Navigation, zumindest so wie geplant, nicht möglich. Zu allem Unglück fängt es auch noch an zu regnen. Ich muss zurück ins Hotel und die Karten neu aufspielen; zumindest habe ich jetzt einen guten Grund, erstmal nicht im Nassen weiterzufahren.

In MapSource, der alten Planungssoftware von Garmin, kommt es immer wieder Programmabstürzen bei den Italienkarten. Da ich die neue Software BaseCamp nicht mag (weil ich sie nicht verstehe), nutze ich eine TopoKarte von Italien sowie die Freizeitkarte Alpen – wechselseitig mal die eine, mal die andere, wegen des unterschiedlichen Kartenbildes. Die funktionieren auch in MapSource.

Wahrscheinlich habe ich am Ende nicht alle Routen noch mal auf der Freizeitkarte neu gerechnet, so dass das Navi nun meckert. Eine halbe Stunde später ist der Fehler behoben. Da es nun aber richtig regnet, beschließe ich erst einmal im Hotel zu bleiben. Und weil es nicht aufhört zu regnen, bleibe ich da auch …

Dass man auch mit einem Roadbook der alten Schule navigieren kann, zeigt mir Gerd ganz stolz. Allerdings ist sein Zettel mit der Wegbeschreibung zum Hotel in der nassen Jackentasche doch etwas unleserlich geworden …

Am späten Nachmittag treffen weitere Teilnehmer ein. Erst Priska und Thomas, dann Lutz, Willi mit Claudia, Hans und Peter. Auch Martin ist schon da.

Die Wiedersehensfreude ist groß, kennen sich doch die meisten von früheren Touren.

Wenig später kommt Stefan. Thomas, der zweimal 500 Kilometer gefahren ist, trifft für heute als Letzter mit dem Motorrad ein. Sie alle sind über den Großen Sankt Bernhard gekommen. Weil der Tunnel zeitweise gesperrt war, mussten sie – in teilweise dichtem Nebel und bei gerade einmal sieben Grad – der Auto- und Wohnmobil-Kolonne folgen, die über die alte Straße umgeleitet wurde. Der Fotostopp am Denkmal des Heiligen Bernhard (hier aufgenommen bei schönem Wetter) musste da leider entfallen …

Kurz vor dem Abendessen treffen auch Charly und Ingrid ein, die wieder mit dem VW-Bus gekommen sind. Schnell wird die BMW entladen und fit gemacht für die Tour. Wie so oft ist der Satz Schrauben zur Befestigung des Windschild unvollständig. Wie so oft müssen wir improvisieren. Zwischenzeitlich haben sich Kabelbinder als Notlösung etabliert. Ratzfatz ist die Scheibe damit befestigt. Auch das Problem mit der Sitzbank, die nicht einrasten will, lässt sich schnell beheben. Dann kann die weitgereiste GS auf den Parkplatz zu den anderen Motorrädern gefahren werden …

Das Abendessen haben wir für 19:30 Uhr bestellt. Wir sitzen an zwei langen Tischen und genießen Maccheronchino mit Hackfleisch (als Vorspeise), eine wunderbar zarte, in Bier gebratene Schweinshaxe mit gebackenen Kartoffel (als Hauptgericht) sowie als Nachtisch eine leckere Torta die Mele – den Apfelkuchen gab es für ausgewählte Teilnehmer übrigens auch „in groß“. Zum Schluss noch ein Espresso; anschließend konnte der Abend an der Bar gemütlich ausklingen.

Morgen wollen wir zum Colle del Nivolet. Die 2.612 Meter hohe Sackgasse endet am Rande des Naturparks Gran Paradiso. Der alte Saumpfad, der hinüber ins Aostatal führt, sollte mal zur Straße ausgebaut werden. Damit wäre eine durchgehende Verbindung in den Norden geschaffen worden. Doch irgendwie konnten sich alle Beteiligten nicht einigen. Aus Gründen des Naturschutzes ist dieses Projekt seit vielen Jahren schon zu den Akten gelegt …