Tagesarchiv: 13/08/2024

Landschaften zum Niederknien …

DIENSTAG, 13.8.2024 – Die Ersten sitzen schon früh um sieben am Frühstückstisch und können es garnicht abwarten, bis es endlich losgeht.

Von Meereshöhe bis auf knapp über 1.000 Meter werden heute unterwegs sein. Unterwegs wartet so manche Herausforderung auf uns. Die erste wird die „steilste Straße Norwegens“ sein …

Schon kurz vor neun lassen wir Farsund hinter uns. Wo immer möglich, weichen wir auf kleine Nebenstrecken aus, auf denen wir quasi ganz alleine unterwegs sind. Tief reichen die Fjorde ins Landesinnere hinein. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, so mit dem Motorrad quasi am Meer vorbei zu fahren.

Über den „Lundveien“ erreichen wir den Abzweig zum „Tronasen“, der steilsten Straße Norwegens, die offiziell noch befahren werden darf – nur in eine Richtung. Bei knapp 1,90 Meter Breite ist Begegnungsverkehr nicht möglich. So Manchem der Teilnehmenden sind die Zweifel anzusehen, ob das wirklich so eine gute Idee war, diesen Streckenabschnitt in die Routenplanung aufzunehmen …

Verdammt enge Kehren, Steigungen von mehr als 30 Prozent und ein Asphalt, der stellenweise schon in Renaturierung begriffen ist, erwarten uns. Im Anschluss noch gut 20 Kilometer Naturstraße, die kurvenreich durch dichte Wälder führt. Das süße Gebäck in der „bakeri“ von Tonstad haben wir uns redlich verdient.

Auf Nebenstraßen geht es anschließend weiter zum „Gloppedalsura“, einem riesigen Felsenmmeer, dass vor mehr als 10.000 Jahren durch „Frostsprengungen“ entstanden ist. Riesige Felsbrocken stürzten der Berghang hinunter und liegen wild übereinandergetürmt links und rechts der Straße.

Bald darauf ist „Byrkjedalstunet“ erreicht, ein kleines Gasthaus, in dem wir zu Mittag essen. 

Dann geht es hoch hinaus. Die Straße steigt auf gut 1.000 Meter und führt durch eine surreale Landschaft von Felsen und Mosen, in denen zahlreiche Seen eingebettet sind. Unser Ziel ist der Lysebotn, einer der längsten und tiefsten Fjorde in Norwegen. Von der Aussichtsterrasse eines Cafés lässt sich der Straßenverlauf dorthin erahnen: 27 Haarnadelkurven sowie ein 1.100 Meter langer, in den nackten Fels geschlagener Felsentunnel überwinden auf gut acht Kilometern Strecke 640 Höhenmeter. Fahrerisch eine Herausforderung …

Den Rückweg nutzen wir für den einen oder anderen Fotostopp, bevor wir auf den „Suleskarvegen“ abzweigen, eine alte Handelsstraße, die über eine fantastische Fjell führt. Mehr als 1.000 Meter hoch liegt der höchste Punkt, die Temperaturen hier noch bei maximal 13 Grad – und Deutschland schwitzt bei fast 40 Grad. Da haben wir es besser.

Ein Tankstopp noch kurz vor Hotel – und während die Teilnehmer schon ihre Koffer aufs Zimmer tragen, werfe ich noch einen Blick in die alte Kirche von Rystad, die mit einer „offenen Tür“ wirbt …

Unser Hotel liegt idyllisch am Fluss Otra, der aufgrund seiner Breite fast wie ein Fjord wirkt.

Die Küche verwöhnt uns mit „Speka Fjellaure“, „Kjøttkaker“ als Hauptspeise und einem typisch norwegischen Nachtisch mit einem unaussprechlichen Namen: Tildekka Stakkejente. Heißt soviel wie „das arme verschleierte Mädchen“. Apfelmus und Sahne werden wechselweise übereinander geschichtet, dazu noch Krokant – sehr lecker.

Morgen geht es Richtung Roldal – mal schauen, wie sich das Wetter entwickelt. Gute Nacht …