Monatsarchiv: August 2024

Wieder eine gute App weniger

„Wir müssen unsere Ressourcen gezielt für die Entwicklung neuer und verbesserter Lösungen einsetzen, um den veränderten Anforderungen unserer Community gerecht zu werden“. Zum 15. September wird TomTom die NavigationsApp „GoRide“ abschalten und versucht dies mit blumigen Worten zu rechtfertigen. „Die Einstellung von GORide ermöglicht es uns, erweiterte Funktionen für andere Projekte einzuführen, das allgemeine Benutzererlebnis zu verbessern und den Wert unseres Angebots zu erhöhen“, heißt es auf der Website weiter zur Begründung.

Mit GoRide war es möglich, Tracks in Routen umzuwandeln und entsprechend zu navigieren

Leider ist dem nicht so. Denn die derzeit als Alternative empfohlene App „AmiGO“ ist bei weitem nicht so leistungsstark. Ihr fehlt ein ein ganz entscheidendes „Werkzeug“: die Möglichkeit Tracks unkompliziert in Routen umzuwandeln. 

Das war für mich die große Stärke von „GO Ride“: eine detailliert geplante Route, die in einen Track umgewandelt war, zu laden und die Gewissheit zu haben, mit dem Handy über genau die Straßen zum Ziel navigiert zu werden, die man sich ausgesucht hatte. Völlig unkompliziert in der Handhabung und überzeugend in der Darstellung.

Das in Zukunft nicht mehr zu können, verbessert für mich nicht das Nutzererlebnis und erhöht auch nicht das Angebot, wie man es mir weiszumachen versucht. Das ist einfach nur enttäuschend und schade …

Ärgerlich ist, dass TomTom die App nicht nur aus dem Store nimmt sondern Mitte September auch den Server abschaltet. Rien ne va plus – nichts geht mehr. Auch Jene, die GO Ride schon auf dem Handy installiert haben, können die App dann nicht mehr nutzen.

Eine nachvollziehbare Begründung gibt es für mich nicht. War der Umfang für eine kostenlose App zu groß? Haben sich die Nutzerzahlen für die kostenpflichtige NavigationsApp „TomTom Go“ dadurch nicht wie erhofft weiterentwickelt? Hätte es nicht Alternativen gegeben – für Bestandskunden oder in dem man die App kostenpflichtig macht?

Ich werde die App „GO Ride“ schmerzlich vermissen. Insbesondere, da TomTom (bislang) keine weitere NavigationsApp im Angebot hat, die Tracks problemlos in Routen umwandelt. Schade …

„AmiGO“ ist schön, keine Frage. Ein ansprechendes Kartenbild, die Anzeige von gefahrener und erlaubter Geschwindigkeit mit Warnhinweis bei Überschreitung, abschaltbare Blitzer-Warnung, klare Abbiegehinweise sowie durch Visualisierung von zähfließendem Verkehr, Staus und Baustellen überzeugen. Ebenso die Optionen, die zu fahrende Strecke schnell, kurz, im eco-Modus oder kurvenreich zurückzulegen. „Wir sind überzeugt, dass diese Funktionen ein wertvolles Fahrerlebnis bieten, obwohl es nicht möglich ist, Routen in AmiGO zu importieren“, findet TomTom. Wer es, wie ich, geschätzt hat, mit „GORide“ Tracks in Routen umzuwandeln, findet das nicht; für mich ist „AmiGO“ – vor diesem Hintergrund – leider keine überzeugende Alternative.

AmiGO überzeugt mit klarer Navigation, kann aber keine Tracks in Routen umwandeln

Dass tolle Apps, die häufig über ein Alleinstellungsmerkmal verfügen, einfach so vom Markt genommen werden, ist unverständlich. Navigon ist da vor Jahren mit seiner „Cruiser-App“ mit ganz schlechtem Beispiel vorangegangen. TomTom macht es jetzt nicht besser; leider. Ich fürchte, dass die versprochenen Innovationen, die durch Einstellung der App „GoRide“ nun möglich werden sollen, auf sich Warten lassen werden.

„Versöhnt“ werde ich mit TomTom erst sein, wenn eine App mir wieder die Möglichkeit eröffnet, Tracks in Routen zu verwandeln. Für diese Funktion bin ich gerne bereit etwas zu zahlen. Nur hätte ich sie möglichst schnell gerne wieder. Wunschdenken?

Ans „Stilfser Joch der Mosel“

Auffahrt zum „Stilfser Joch der Mosel“

Zugegeben: ein wenig vermessen ist es schon, die kleine Straße am Valwiger Berg als „Stilfser Joch“ der Mosel zu bezeichnen. Statt 48 Kehren sind hier nur zwei in den Hang trassiert – die aber schon ein wenig tricky sind. Anders als im Ortler-Massiv ist der Asphalt aber kaum autobreit und herrlich kurvig, statt auf nackten Fels blickt man auf steile Weinberge und die Mosel im Tal. Und: eine Gemeinsamkeit gibt es mit den Alpen – in den Weinbergen über Valwig lebt der Apollofalter, eine Wärme liebende Schmetterlingsart, die normalerweise nur in alpinen Gebieten vorkommt.

19 Motorradfahrer stehen an diesem Samstagmorgen am Treffpunkt in Heidenfahrt; 17 Teilnehmer und zwei Tourguides – so viele waren wir noch nie! Bei strahlendem Sonnenschein werfen wir uns um 9 Uhr ein kurzes Stück auf die Autobahn um dann, hinter Bingen, über die B9 am Rhein entlang zu cruisen. In Rheindiebach ist es mit der Beschaulichkeit vorbei, wir zweigen auf die Rheingoldstraße ab und nehmen hinter Manubach die ersten engen, herausfordernden Serpentinen unter die Räder, die uns mitten durch die Weinberge führen.

Kurvenreich geht es durch den Hunsrück; die Fahrt durch die Burgenstadt Kastelaun wird mit neun Motorräder „im Schlepp“ zur kleinen Herausforderung, dann ist das erste Etappenziel erreicht: Mörz, ein kleines Sackgassendorf. 

Eine Handvoll Straßen gibt es hier, buntes Fachwerk, ein altes Backes, Blumenwiesen. Der Sänger Thomas Anders wurde in Mörz am 1. März 1963 geboren, weiß zumindest Google. 200 freundliche Einwohner leben heute hier. Eine davon ist Kati, die uns in ihrem Hotel „Zum Mühlental“ herzlich bewirtet.Wir sitzen auf der Terrasse im Schatten und genießen die kurze Auszeit. 

„Kuchen? Nein Kuchen habe sie leider keinen da“, meint sie bedauernd. „Vielleicht könnt Ihr uns alternativ ein paar Eier mit Speck in die Pfanne hauen, schlage ich ich vor. Wenig später steht das „zweite Frühstück“ dampfend auf dem Tisch. Danke.

Die nächsten 75 Kilometer sind so ganz nach unserem Geschmack. Wir schlagen uns einmal quer über den Hunsück Richtung Zell an der Mosel, um dann in vielen Schleifen, die uns in endlosen Kurven und Kehren durch zahlreiche Seitentäler führen, Valwig zu erreichen. Wir biegen in die Kreuzstraße ab, fahren durch den alten Ortskern und stürzen uns mit Lust in die erste Serpentine. Steil führt das schmale Asphaltband bergab; gut 300 Höhenmeter gilt es zu überwinden.

Wenig später rollen wir auf dem Parkplatz des Landgasthaus Kaster aus. Hier wollen wir Mittag machen. Es gibt Schnitzel, Gulasch oder einen Salatteller – alles sehr lecker.

Direkt neben dem Landgasthof steht die Wallfahrtskirche St. Maria und Maria Magdalena. Entstanden aus einer frühromanischen Kapelle aus dem 13. Jahrhundert wird das Gnadenbild der „Gnadenbild der wundertätigen Mutter vom Berge“ verehrt, eine Muttergottes-Statue um 1400. Kamen zu früheren Marienfesten täglich bis zu 2000 Pilger, finden Wallfahrten heute in deutlich kleinerem Rahmen statt.

Nach dem Essen stürzen wir uns das „Stilfser Joch“ der Mosel wieder hinab und fahren, einmal quer durch den Hunsrück, zurück an den Rhein. Nahe Sankt Goar, mit fantastischem Ausblick auf den Felsen der Loreley, legen wir unsere nachmittägliche Kaffeepause ein. Das enge Rheintal wurde in früheren Zeiten vielen Rheinschiffern zum Verhängnis …

Die Sonne verschwindet langsam hinter dem mächtigen Rheingaugebirge, als ich mich auf den Heimweg machen. Einmal mit der Fähre über den Rhein, kurzer Fotostopp mit Blick auf „Burg Katz“, dann geht’s in den Taunus. Unterwegs halte ich ein paarmal zum Fotografieren, gönne mir auf halber Strecke noch einen Früchtebecher in Bad Schwalbach, dann geht’s über die „Hohe Wurzel“ – dem höchsten Punkt des heutigen Tages – langsam nach Hause. Mit einem herrlichen Sonnenuntergang neigt sich dieser erlebnisreiche Tag dem Ende zu. Schön war es wieder mit Euch; danke 😉

HINTERGRUND:

Den Routenverlauf der Tagestour haben wir mit der App „Reliefe“ visualisiert.
Hier ist der entsprechende Link:

https://www.relive.cc/view/vNOPEQVE426

Wenn Du den Streckenverlauf auf einer Landkarte anschauen möchtest, kannst Du das auf unserer „AllTrails“-Seite tun:

https://www.alltrails.com/explore/map/map-3e60e09-7

Und das wäre der Höhenverlauf:

AUSBLICK:

Die nächste Tagestour der vhs hat am Samstag den 21.9.2024, die Felseneremitage in Bad Kreuznach zum Ziel, die wir (ausnahmsweise) von Innen besichtigen dürfen.

https://www.vhs-mtk.de/kurssuche/kurs/Mit-dem-Motorrad-zur-Felseneremitage/V0100305

Zum Saisonabschluss fahren wir am 19.10.2024 zur Felsenkirche nach Idar Oberstein, die wir ebenfalls besichtigen werden. Dazu müssen 222 Stufen erklommen werden …

https://www.vhs-mtk.de/kurssuche/kurs/Motorrad-Abschlusstour-zur-Felsenkirche/V0100306

Anmeldungen sind über die Website der vhs möglich. Einfach auf den Link klicken.

Endspurt …

DIENSTAG, 20.8.2024 – 200 Kilometer in gut vier Stunden? Das sollte zu schaffen sein. „Bitte seien Sie unbedingt vor zwölf Uhr am Counter, wir wollen pünktlich mit dem Boarding beginnen“, hatte uns die Fährgesellschaft mitgeteilt. Um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein, wollen wir um acht starten, auch wenn das Navi eine Fahrzeit von weniger als drei Stunden berechnet.

Das Frühstück muss „beschleunigt“ zu sich genommen werden, das Restaurant öffnet erst gegen 7:30 Uhr. Den ersten Kaffee gibt es deshalb auf dem Balkon, aus dem Nespresso-Automat, der auf dem Zimmer steht.

Es wird dann doch nach acht, bis sich unser Trupp in Bewegung setzt. Wir wollen versuchen, Oslo gemeinsam zu erreichen und werfen um in einer Kolonne von 14 Motorrädern auf die Europastraße. Das funktioniert erstaunlich gut. Vereinzelt mogelt sich ein Auto an einer Auffahrt in die Gruppe; wir verlieren uns aber nie aus den Augen.

Da wir gut in der Zeit liegen, können wir an einer Raststätte noch eine Kaffeepause einlegen und Proviant für die Fähre kaufen: unter anderem Knäckebot mit Brunost, dem norgewischen Karamell-Käse. Diese „Perversität“ muss zum Schluss einfach sein …

Super pünktlich erreichen wir den Hafen. Kurz nach uns treffen Claudia und Willi mit dem Begleitbus ein. Jetzt heißt es warten. Statt wie geplant und 12 Uhr beginnt die Verladung erst gegen 13 Uhr. Erika verwöhnt uns so lange mit Trockenobst und Nüssen aus den Vorräten im Topcase; auch eine Mütze Schlaf wird gerne nachgeholt …

Dann dürfen wir an Bord. Mit Schwung geht es die steile Rampe hinauf, ein Spanngurt über die Sitzbank und unsere Rückreise nach Kiel kann beginnen …

Nachtrag:

Zwei Stunden haben wir gebraucht, dann ging nichts mehr: das Buffet geplündert, der Magen bis aufs äußerste „strapaziert“. Sozusagen der krönende Abschluss unserer Norwegenreise.

Die Rückreise treten wir mit der ColorLine an, um nicht noch einmal durch Dänenark fahren zu müssen. Das ist wie eine kleine Kreuzfahrt zum Schluss, mit Gala-Dinner bis zum Abwinken. Geduldig warten wir um 17 Uhr auf den Einlass, um das Buffet „stürmen“ zu können …

Natürlich gab es Fisch in allen Variationen. Ein Genuss auch das Angebot an verschiedenen Sorten Käse, dazu karamellisierte Nüsse, eingemachten Ingwer mit einer leichten Schärfe und Aprikosenkompott. Der „Knaller“ aber ist die Auswahl an Süßspeisen – unglaublich …

Nach dem Essen geht’s aufs Sonnendeck. Der Wind bläst kräftig, lange aushalten lässt es sich nur in einer windstillen Ecke. Der Sonnenuntergang fällt aufgrund der dichten Wolkendecke so gut wie aus, trotzdem ist es schön, die Reise so in Ruhe ausklingen lassen zu können.

Während wir so langsam an Göteborg vorbeischippern, unternehme ich auf dem Weg zur Kabine noch ein kleiner Abstecher auf Deck 6. Da unterhält im Monkey Pub ein Gitarrenspieler mit altem Rock n Roll, während in der Piano-Bar gediegene Unterhaltung geboten wird. Mit einem „Espresso Martini“ lasse ich den Tag ausklingen. Morgen früh erreichen wir Kiel, dann ist die Norwegenreise unweigerlich zu Ende …

Zurück in den Süden

MONTAG, 19.7.2024 – So langsam neigt sich unsere Norwegenreise dem Ende zu – leider. Die Koffer sind gepackt, nachdem wir noch ein Gruppenbild gemacht haben, kann es losgehen.

Auch wenn eine Fahrt über den Trollstign derzeit aus Sicherheitsgründen nicht möglich ist, wollen wir doch zumindest einen Blick auf die Felswand werfen, die so steil in den Himmel ragt, dass einst nur Trolle sie überwinden konnten – bis eine spektakuläre Straße gebaut wurde. Die windet sich in elf steilen Haarnadelkurven hinunter ins Romsdalen.

Wenig später legen wir einen kurzen Fotostopp am „Trollveggen“ ein, der mit 1.000 Metern Höhe höchste senkrechte und teils überhängende Bergwand Europas. Hier in den „Romsdalsalpen“ begann die Geschichte des Bergsteigens in Skandinavien.

Beim Blick auf den auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegenden Gipfel des Romsdalshorn – 1.555 Meter hoch – entdecken wir ein Wohnmobil, das auf dem Anhänger mitnimmt, was mitzunehmen ist …

Auf den nächsten Kilometern haben wir die in Richtung Süden verlaufende Europastraße ganz für uns alleine und können so ganz ungestört den Blick auf mächtige Berge links und rechts der E136 genießen. Die wilde Rauma begleitet uns ein Stück des Wege und zwängt sich wenig später durch eine enge Schlucht. Auch hier am „Slettafossen“ legen wir einen kurzen Fotostopp ein – und werfen einen Blick in den nahegelegenen „Tourishop“ …

Die nächstgelegene Tanke muss für den Kaffeestopp herhalten. Gaststätten, so wie wir sie kennen, gibt es in Norwegen nur selten. Meist fungieren Tankstellen als Café, Supermarkt und Burger-Braterei.

Nach einem Hamburger ist mir heute Morgen zum zweiten Frühstück nicht. Auf meine Frage, ob sie nicht auch was Süßes habe, bietet mir die Verkäuferin einen „Svele“ an – eine Art Pancake mit Zucker oder Brunost, dem typischen karamellisierten Käse Norwegens. Ich entscheide mich für letzteren …

Nach gut 100 Kilometern Europastraße, auf der wir stur nicht schneller als 80 km/h fahren durften, bietet sich die willkommene Gelegenheit, auf schmale kurvenreiche Nebenstrecken auszuweichen. Die führen uns direkt zur „Bakeri & Konditori Ødegaarden“ nach Otta. Für alle, die es etwas herzhaft mögen, gibt es belegt Brötchen, ansonsten viele süße Leckereien wie beispielsweise „Verdens beste – norges nasjonalkake“.

Bald darauf erreichen wir den Peer-Gynt-Weg, ein faszinierendes Natursträßchen, das sich über viele Kilometer in gut 1.000 Metern Höhe durch eine faszinierende Natur schlängelt.

Statt Kuchen gibt es am Nachmittag „pølser“, eine Art Hotdog und typischer Snack für zwischendurch, den ich auf unserer Reise schon mehrfach gegessen aber noch nicht fotografiert habe …

Im Hotel angekommen, genieße ich einen leckeren Kaffee auf der schönen Terrasse und lasse die Erlebnisse der vergangenen Tage ein wenig sacken. Als ich unter die Dusche springe, trifft Stefan mit seiner Gruppe ein. Sie haben heute noch einmal eine schöne große, fast 380 Kilometer lange Runde hingelegt – und alle, die dabei waren, haben leuchtende Augen.

Wir genießen das Abendessen und lassen den Tag gemütlich ausklingen. Morgen geht’s auf direktem Weg nach Oslo. Spätestens um 12 Uhr müssen wir am Fährhafen sein und dazu einmal quer durch die Stadt …

Wechselbäder

SONNTAG, 18.8.2024 – Die Atlantikstraße ist das Ziel unserer heutigen Tagestour: sieben Brücken, eine spektakulärer als die anderen, verbinden mehrere Inselgruppen direkt am Atlantik. Der Blick aufs (unzuverlässige) RegenRadar zeigt: bis Mittag soll es an der Küste trocken bleiben. Dann kommt der Regen.

Ich genieße einen ersten Kaffee auf dem Zimmer, dann geht es zum Frühstück.

Wir umrunden auf der Straße 64 den vor Åndalsnes liegenden Fjord und erreichen rechtzeitig die Fähre nach Solnes. Die fährt alle halbe Stunde und fährt schon auf den Anleger zu.

Für die nächste Norwegenreise würde ich mir einen „Autopass“ zulegen: Einmal auf der Homepage angemeldet, werden die Gebühren automatisch von der hinterlegten Kreditkarte abgebucht. Bargeld gibt es d nicht mehr. Ein Mitarbeitet der Fährgesellschaft scannt die Kennzeichen, ist das hinterlegt, wird der Betrag mit 20 Prozent Rabatt abgebucht, ansonsten wird die EC-Karte ans Lesegerät gehalten – fertig.

Nahe des Malmefjorden geht ein kräftiger Regenschauer über uns hernieder. Ran an die nächste Tanke und die Regenkombi drüber. Wir disponieren um und kürzen etwas ab. Statt dem Küstenverlauf zu folgen, nehmen wir die „Abkürzung“ und stehen schon bald vor der größten und imposantesten Brücke der Atlantikstraße.

Es regnet noch immer und es weht ein heftiger Wind. „Freies Fahren“ ist angesagt: jeder kann und soll die spektakuläre Straße so oft fahren, wie er möchte und individuelle Fotostopps einlegen, anschließend treffen wir uns im kleinen Kiosk vor der „Storseisundbrua“. Dort gibt es leckere Waffeln, heiße Schokolade und einen Heizstrahler …

Besser wird das Wetter wohl erst einmal nicht werden. Also beschließen wir, auf den Abstecher nach Kristiansund – und damit durch einen der tiefsten Tunnel Norwegens – zu verzichten und auf relativ direktem Weg zurück ins Hotel zu fahren.

Kurz vor dem Abzweig zur Fähre reißt der Himmel auf. „Eigentlich könnten wir nun doch noch eine kleine Schleife dranhängen“, denke ich mir und halte in der nächsten Bushaltestelle zwecks „Meinungsbildung“. Auch meine Mitreisenden sind der Meinung, dass es ausreicht gegen 17 Uhr im Hotel zu sein und so werden am Ende des Tages 310 Kilometer auf dem Tacho stehen.

Ein Kaffee wäre jetzt schön. Es findet sich aber nichts. Und die Tanke bei Eidsvag ist wenig einladend. Wenig später taucht linker Hand das „Eidsvag Fjordhotel“ auf. Wir halten an ne ich will fragen, ob wir kurz einkehren können.

Alle Türen stehen auf, aber es ist Niemand da. Auf der Tresen stehen zwei Kannen Kaffee – wohl für die Hausgäste. Was tun?

Kurzerhand google ich die Telefonnummer und rufe an. Eine freundliche Frauenstimme meldet sich und fragt, ob wir ein Zimmer gebucht hätten. Ich verneine und frage, ob wir uns vielleicht am Kaffee bedienen dürften. Wir würden selbstverständlich bezahlen. „Kein Problem, bedienen Sie sich und lassen Sie es sich bei uns gut gehen. Wir sind gerade unterwegs, aber vielleicht sieht man sich ein andermal“, ruft mir die Hotelbesitzer zu. So etwas gibt es glaube ich nur in Norwegen.

Zurück im Hotel nutzen wir die Zeit zu einem kleinen Hafenspaziergang bei bestem Wetter und schauen zu, wie die „Romsdalsgondelen“ freischwebend die rund 700 Meter Höhendistanz hinauf auf den Nessskla überwinden. Von der Bergstation bietet sich eine fantastische Aussicht auf die umliegenden Berge und Fjorde.

Nach dem Abendessen heißt es dann so langsam zusammenpacken. Morgen noch mal Richtung Lillehammer. Und am Dienstagmittag geht es auf die Fähre nach Kiel …

Durch‘s Reich der Riesen

SAMSTAG, 17.8.2024 – Wir haben uns viel vorgenommen, für den heutigen Tag: Noch mal den Tinevegen rauf und dann rechts ab ins „Reich der Riesen“. Einmal quer durch Jotunheimen, ein kurzer Stopp an der Stabkirche von Lom und dann, mit einer Schleife über den „gamle Strynvegen“ runter zum Geiranger. Über die Adlerstraße zur Fähre nach Linge und dann – in einem weiten Bogen westwärts – nach Andalsnes, weil ostwärts die Straße über den Trollstign wegen Steinschlaggefahr gesperrt ist. Gut 380 Kilometer werden so zusammen kommen. Ein gutes Stück „Arbeit“.

Es ist kurz nach 9 Uhr als wir uns die engen Serpentinen zum Tinnevegn „heraufarbeiten“. Der Asphalt ist noch ein wenig feucht, wir lassen es langsam angehen. Die Wolken hängen tief und so wird es ein wenig feucht, als wir die Passhöhe mit gut 1.300 Metern Höhe erreichen. Das Thermometer zeigt knapp 5 Grad an, es nieselt und ist reichlich ungemütlich. Glücklicherweise haben wir gestern schon geübt, wie der Automat für die 60 Kronen Maut bedient wird : Kennzeichen eingeben, motorsykkel antippen, EC-Karte rein, auf Quittung drücken und ab geht’s …

Kaum schwingen wir uns talwärts, wird das Wetter wieder besser. So haben wir Norwegen in den vergangenen Tagen erlebt: auf einen kurzen Schauer folgt umgehend Sonnenschein.

Auf den nächsten Kilometern ist erst einmal wieder Schauer angesagt. Die Straße übers Sognefjell erreicht ihren höchsten Punkt bei 1397 Metern. Der Wind bläst kräftig, es nieselt, Wolkenfelder ziehen übers Fjell und an den Berghängen liegt immer noch Schnee. Zeit für eine Kaffeepause.

Eine der vielen Touristenhütten empfängt uns mit leckerem Schokokuchen, Zimtgebäck und heißem Kakao. Hier lässt es sich aushalten …

Wir aber müssen weiter: Helm auf, Handschuhe an und rauf aufs Motorrad. Als wir wenig später die „Sagasäule“ erreichen, scheint schon wieder die Sonne. Die Geschichte Norwegens ist hier, seit der Reichsgründung, in Stein gemeißelt.

Als Lom, mit einer der ältesten Stabkirchen des Landes, erreichen wir bei bestem Wetter. Das Innere der Kirche weiß zu begeistern; gerade lauscht eine deutsche Reisegruppe einer Führung und wir hören ein bisschen zu.

Ein netter Kro – so etwas wie ein Landgasthaus – lädt kurz nach eins zur Mittagsrast. Die Speisekarte bietet für jeden etwas. Wir genießen und Essen draußen auf der Terrasse.

Statt direkt zum Geiranger Fjord zu fahren, gönnen wir uns noch einen kleinen Umweg über die „alte Straße nach Stryn“ – ein gut 20 Kilometer langer ungefestigter Weg übers Strynefjell. Er folgt einem alten Reit- und Saumpfad, über den die Menschen einst Güter von der einen Seite des „hohen Gebirges“ zur anderen brachten. 1881 wurde beschlossen, zwischen Grotli und Hjelle eine Straße zu bauen, deren Einweihung 1894 gebührend gefeiert werden konnte. 1978 wurde dann die asphaltierte „Umgehung“ mit drei Tunnels eingeweiht.

Wir nehmen die alte Straße, die uns vor besondere Herausforderung stellt: es nieselt wieder leicht und der Naturbelag wird glitschig wie Schmierseife. Die Aussichten aber sind phänomenal.

Die letzte Kaffeepause legen wir am Geiranger Fjord ein. Den Hype um diesen Ort habe ich nie verstanden. Die herrliche kurvenreiche Serpentinenstrecke runter ins Tal verstopfen Wohnmobile, die anders als in den letzten Tagen, wenig Bereitschaft zeigen Platz zu machen und so beeindruckend ist die Landschaft auch nicht.

Interessant ist: in Geiranger gibt es einen kleinen Laden, der selbstgemachte Schokolade verkauft – die Tafel allerdings für umgerechnet 10 Euro …

Ein kurzer Stopp noch am Aussichtspunkt der Adlerstraße, die in zahlreichen Kurven bergauf führt, dann geht es weiter zur Fähre nach Linge. Es ist schon fast 18 Uhr und wir haben noch ein ordentliches Stück Weg vor uns.

Die Fähre erreichen wir „just in time“. Als wir im Hafen ankommen, legt das Schiff gerade an.

Als sich die Bugklappe wenig später öffnet, ist es fast wie bei der Formel ein. Wir stehen in Reihe drei, links von uns eine Autoschlange, rechts davon zwei – und jeder will als erster von Bord, um anschließend frei Fahrt zu haben. Wir „gewinnen“ das Rennen und „surfen anschließend entlang der Fjorde nach Andalsnes. Gut eineinhalb Stunden brauchen wir für die 100 Kilometer – immer stur mit maximal 80 km/h.

Um kurz nach 20 Uhr sind wir im Hotel, um 21 Uhr gibt’s Abendessen – was für ein toller und erlebnisreicher Tag …

Dem Gletscher ganz nah …

FREITAG, 16.8.2024 – Einmal rund um das Reich der Riesen fahren? Oder einen Blick auf den Nigardsbreen, einen Seitenarm des mächtigen Gletschers Jostedalsbreen werfen? Wir entscheiden uns für die zweite Variante, die wir aber noch ein wenig modifizieren werden. Zuerst aber wird sensationell gefrühstückt: es gibt Erdbeermarmelade mit ganzen Erdbeeren.

Wir folgen dem Ardalsfjorden und setzen mit der Fähre über nach Kaupanger. Die fährt elektrisch und gleitet lautlos übers Wasser. Bei jedem Stopp im Hafen werden die Batterien aufgeladen; dafür baumelt ein mächtiges Kabel über der Pier.

Einen ersten Fotostopp legen wir an der Stabkirche von Kaupanger ein. Die liegt malerisch in Ufernähe und kann derzeit nur von außen besichtigt werden. Gegenüber stehen alte Apfelbäume und Sträucher voller Johannisbeeren, eine Schafherde weidet – es ist richtig malerisch …

In Gaupne legen wir unsere erste Kaffeepause ein. Bevor es hoch zum Nigardsbreen geht, werfen wir noch einen Blick auf die „gamle kirke“ – die alte Kirche, die malerische auf einer Anhöhe liegt.

Dann geht es hoch hinaus, unser Ziel – der Styggevatn – liegt auf gut 1.000 Meter. Wir folgen der Straße, die sich gut 25 Kilometer ins Tal schlängelt, lassen den Abzweig zur Gletscherzunge des Nigardsbreen aber links liegen. Statt dessen geht es weitere 25 abenteuerliche Kilometer bergab – auf einem „Hilfsweg von schlechter Verfassung“, wie es auf einem Warnschild heißt.

Die holprige Straße endet unterhalb einer gewaltigen Staumauer; von hier geht es nur noch zu Fuß weiter.

Schnaufend aber tief beeindruckt erreichen wir nach einigen Minuten das gewaltige, 3,3 Millionen Kubikmeter Gletscherwasser  fassende Staubecken, das zur Energieversorgung genutzt wird: Aus gut 1.100 Metern Höhe schießt das Wasser durch 31 Kilometer lange Tunnel, um Turbinen anzutreiben. Am Ende des Sees, der Gletscher – gewaltig und schön. Das Ufer darf nur auf eigene Gefahr betreten werden: wenn der Gletscher „kalbt“ – also große Stücke abbrechen – können urplötzlich „Flutwellen“ von 50 Metern Höhe und mehr entstehen …

Wir wollen zurück nach Gaupne, Mittag essen – wenn ich denn meinen Zündschlüssel finden würde. Den hatte ich die ganze Zeit mit einem Ring am kleinen Finger getragen; bei Hantieren mit iPhone und Kamera muss er verloren gegangen sein. So ein Mist! Ganz langsam und aufmerksam gehen Hans und ich die Wegstrecke noch einmal ab – und finden ihn glücklicherweise wieder …

Wir genießen die Fahrt zurück ins Tal, müssen noch einmal durch einen dunklen unbeleuchteten Tunnel und steuern dann den „Tinevegen“ an.

Ein paar Fotostopps später stehen wir auf gut 1.300 Meter, bei gerade einmal fünf Grad plus und leichten Graupelschauern, am Kassenautomat und kämpfen mit den Tücken der Technik. Gut 20 Minuten brauchen wir, bis jeder sein Ticket hat. So lange warten drei norwegische Autofahrer geduldig – kein Hupen, kein Fluchen, irgendwann wird es schon weitergehen. Völlig ungewohnt, aber beeindruckend.

Noch ein Tankstopp und wird sind wieder am Aurlandsfjord. Bis zum Essen bleibt noch ein wenig Zeit zum entspannten Ausruhen und die Aussicht genießen.

Die Küche verwöhnt uns, wir trinken Cider aus roten Früchten und schauen entspannt zu, wie es so langsam Nacht wird. War wieder ein toller Tag heute …

Wasserfälle, noch und nöcher …

DONNERSTAG – 15.8.2024 – Da haben wir ja mal wieder richtig Glück gehabt. Eigentlich hätte es ab dem Mittag ordentlich regnen sollen. Doch außer ein wenig Nieselregen – mal mehr, mal weniger – sind wir weitestgehend trocken geblieben. Am besten schaut man sich die ganzen Wetter-Apps gar nicht mehr an.

Es ist kurz vor acht und ich sitze mehr oder minder alleine am Frühstückstisch. Alles Frühaufsteher? Es gibt Rentier-Wurst und Kaffee aus der großen Thermoskanne – so wie in Norwegen meist üblich.

Der Himmel ist bedeckt, es zeigen sich aber schon erste blaue Flecken: Zeit endlich zu starten. Seit vier Tagen leben wir ständig auf dem Koffer und wechseln täglich das Hotel. Im nächsten bleiben wir für zwei Nächte.

Gestern Abend war die Zufahrt zur alten Passstraße noch gesperrt, heute steht einer Tour über das Røldalfjell nichts im Wege. Das schmale Sträßen führt bis auf 1.000 Meter und umgeht – in einer faszinierenden Landschaft – zwei langweilige Tunnel.

Bald darauf ist der „Langvossen“ erreicht. Ein gewaltiger, zweigeteilter Wasserfall – einer der bekanntesten in Norwegen.

In Lofthus hatten wir eine kleine Bäckerei entdeckt, die zum obligatorischen Kaffeestopp gegen 10:30 Uhr geradezu einlädt. Die Zimtschnecken sind lecker; es gibt aber auch Softeis …

Wir sind am Hardangerfjord, „dem“ Obstanbaugebiet von Norwegen. Parallel zur Hauptstraße verläuft ein schmaler Wirtschaftsweg, dem wir ein Paar Kilometer lang folgen – mitten durch eine Apfelplantage. Dur werden hier im großen Stil angebaut.

Dann heißt es tief durchatmen. Wir stehen am Aussichtspunkt mit Blick auf die Hängebrücke über den Hardangerfjord. Gut 1,4 Kilometer liegen zwischen den beiden Ufern – eine der längsten Hängebrücken – und wir müssen da jetzt drüber. Zuerst führt die Straße in den Berg, in dem sich ein blau erleuchteter Kreisel findet – mitten im Berg! Die sind verrückt, die Norweger. An der Ausfahrt zur Hängebrücke wird glücklicherweise nicht mehr als 1 Windstärke angezeigt, bei böigem Wind wäre die Fahrt sicher kein Vergnügen …

Wir nehmen den Abzweig nach Ulvik, um nicht durch den Tunnel fahren zu müssen – und sammeln Blaubeeren, die wir bei einem Fotostopp entdecken.

Kurz darauf ist der Skjervsfossen erreicht, ein weiterer beeindruckender Wasserfall.

Es hat angefangen zu nieseln, so dass wir nicht fängt es leicht an zu nieseln, so dass nicht auf kleinen Straßen ins Gebirge abzweigen sondern erstmal auf der Hauptroute bleiben – und nahe Voss unsere Mittagspause einlegen. Gasthäuser, wie bei uns, gibt es in Norwegen eher selten. Dafür gibt es in fast jeder größeren Tankstelle einen Imbiss …

Richtig gediegen ist es dafür bei der Kaffeepause, die wir im Stahlheim-Hotel einlegen. Das liegt direkt an der sehr steilen und sehr engen Pass-Straße „Stahlheimkleiva“, die aus Sicherheitsgründen nicht mehr befahren werden darf. Von der Hotelterrasse lässt sich ein Blick auf zwei der Serpentinen erhaschen, wer ein paar Schritte läuft, kommt bis zur alten Straße …

Sehr eng und sehr kurvenreich ist auch die Anfahrt zur „Schneestraße“. Mit viel zu großen Wohnmobilen quälen sich viele hoch zum Stegastein, einem spektakulären Aussichtspunkt. 650 Meter über dem Aurlandsfjord stehen wir dort und blicken in die Tiefe.

Dann sind wir allein in der Einsamkeit. Das graue Asphaltband windet sich durch eine weite, menschenleere Landschaft und erreicht dabei Höhen von mehr als 1.300 Metern. Acht Grad zeigt mein Thermometer – an einigen Hängen halten sich tapfer Schneereste …

Unten im Tal ist es wieder warm, in den vielen Tunnels, durch die wir fahren, auch. Kurz nach sechs sind wir im Hotel, um halb acht gibt es Essen.

Wir wohnen direkt „am Wasser“, mit Blick auf den Ardalsfjord.

Spät am Abend legt ein Frachtschiff vom nahegelegenen Aluminiumwerk ab. Dann herrscht Stille.

Ein Himmelreich für einen Tempomat …

MITTWOCH, 14.8.2024 – Die Nacht über hat es geregnet, früh am Morgen hängen die Wolken noch tief in den Bergen. Ich laufe ein paar Schritte zum Otra-Fluss, um diese ganz besondere Stimmung einzufangen. Die Stille ist unglaublich, es ist so leise, dass man fast die Strömung der Flusses hören kann – unglaublich …

Beim Frühstück gibt es – neben anderen Leckereien – endlich „Brunost“, den typischen karamellisierten Käse aus Norwegen. Der wird auf Knäckebrot und mit Marmelade bestrichen gegessen – ich finde das lecker 😉

Als wir um 9 Uhr starten sind nur die Straßen noch nass. Gut 100 Kilometer sind es bis Haukeligrend – da wollen wir unsere Kaffeepause einlegen. Unterwegs fotografieren wir noch ein paar Rentiere …

An der „Kaffeebude“ sind ein paar Szenen aus dem „wahren Leben“ arrangiert – schaut lustig aus.

Von einem kurzen Schauer begleitet, starten wir zur nächsten Etappe. Wieder schraubt sich die Straße auf gut 1.000 Meter hinauf und gewährt immer wieder spezielle Ausblicke. An der Landschaft in Norwegen kann man sich garnicht satt sehen …

An der Rosenkirche von Roldal legen wir einen Fotostopp ein. Zwischen 1200 und 1250 erbaut war die kleine Stabkirche ab dem Mittelalter bis 1835 eines der wichtigsten Pilgerziele in Norwegen. Angeblich schwitzt Jesus am Kreuz jedes Jahr am 6. Juli. Dieser Schweiß hat heilende Wirkung. Im Mittelalter war Røldal nach dem Nidarsdom der wichtigste Pilgerort in Norwegen.

Es ist gerade Mittag und wir wollen noch einen gut 200 Kilometer langen Abstecher. Die in dem vor uns liegenden Streckenabschnitt sensationelle Touristenstraße „Ryfylke“ ist das Ziel. Noch einmal volltanken und schon geht es los.

Schnell sind wir wieder auf gut 1.000 Metern. Nackter Fels, der von Moosen und Flechten überzogen ist, prägt das Bild. Dazwischen ein paar Seen und eine Straße, die sich der Topografie anpasst. Hier ist Motorradfahren ein Traum, der nie enden möge …

Die alten Zinkgruben in der „Allmannajuvet-Schlucht“ laden zu einer kleinen Pause ein. Von 1881 bis 1899 in Betrieb, waren dort bis zu 168 Menschen geschäftig. Das Erz wurde ins Ausland verschifft. Das einem alten Grubengebäude nachempfunden Café liegt versteckt am Berg. Wir müssen ein paar Schritte laufen – dafür gibt es aber auch frisch gebackene Waffeln mit Erdbeermarmelade …

Nur wenig später halten wir für ein Foto am „Svandalsfossen“. 2006 wurde eine beeindruckende Brücken- und Treppenanlage direkt neben dem Wasserfall errichtet. Wer die 180 Meter bis zur Kante laufen will, muss 552 Treppenstufen steigen.

Eine Fallhöhe von 600 Metern weist hingegen das „Langfossen“ auf, an dem wir am späten Nachmittag einen Fotostopp einlegen.

Noch ein kleines Kaffeepäuschen am „Akrafjord“ – mit einem viel zu süßen aber sensationell leckeren Schokokuchen – und wir sind kurz nach 18 Uhr wieder im Hotel.

Auf dem Weg dorthin haben wir schon einen Blick auf die alte Passstraße werfen können, die über den Roldal-Tunnel führt. Sah fast so aus, als wäre sie gesperrt. Das wäre schade …

Nach dem Abendessen noch ein Blick vom Balkon. Auch morgen warten gut 300 Kilometer auf uns, die sich in Norwegen aber gut fahren lassen. Schön wäre ein Tempomat, lässt es sich doch mit dem maximal erlaubten 80 km/h herrlich entspannt um die Kurven cruisen …

Landschaften zum Niederknien …

DIENSTAG, 13.8.2024 – Die Ersten sitzen schon früh um sieben am Frühstückstisch und können es garnicht abwarten, bis es endlich losgeht.

Von Meereshöhe bis auf knapp über 1.000 Meter werden heute unterwegs sein. Unterwegs wartet so manche Herausforderung auf uns. Die erste wird die „steilste Straße Norwegens“ sein …

Schon kurz vor neun lassen wir Farsund hinter uns. Wo immer möglich, weichen wir auf kleine Nebenstrecken aus, auf denen wir quasi ganz alleine unterwegs sind. Tief reichen die Fjorde ins Landesinnere hinein. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, so mit dem Motorrad quasi am Meer vorbei zu fahren.

Über den „Lundveien“ erreichen wir den Abzweig zum „Tronasen“, der steilsten Straße Norwegens, die offiziell noch befahren werden darf – nur in eine Richtung. Bei knapp 1,90 Meter Breite ist Begegnungsverkehr nicht möglich. So Manchem der Teilnehmenden sind die Zweifel anzusehen, ob das wirklich so eine gute Idee war, diesen Streckenabschnitt in die Routenplanung aufzunehmen …

Verdammt enge Kehren, Steigungen von mehr als 30 Prozent und ein Asphalt, der stellenweise schon in Renaturierung begriffen ist, erwarten uns. Im Anschluss noch gut 20 Kilometer Naturstraße, die kurvenreich durch dichte Wälder führt. Das süße Gebäck in der „bakeri“ von Tonstad haben wir uns redlich verdient.

Auf Nebenstraßen geht es anschließend weiter zum „Gloppedalsura“, einem riesigen Felsenmmeer, dass vor mehr als 10.000 Jahren durch „Frostsprengungen“ entstanden ist. Riesige Felsbrocken stürzten der Berghang hinunter und liegen wild übereinandergetürmt links und rechts der Straße.

Bald darauf ist „Byrkjedalstunet“ erreicht, ein kleines Gasthaus, in dem wir zu Mittag essen. 

Dann geht es hoch hinaus. Die Straße steigt auf gut 1.000 Meter und führt durch eine surreale Landschaft von Felsen und Mosen, in denen zahlreiche Seen eingebettet sind. Unser Ziel ist der Lysebotn, einer der längsten und tiefsten Fjorde in Norwegen. Von der Aussichtsterrasse eines Cafés lässt sich der Straßenverlauf dorthin erahnen: 27 Haarnadelkurven sowie ein 1.100 Meter langer, in den nackten Fels geschlagener Felsentunnel überwinden auf gut acht Kilometern Strecke 640 Höhenmeter. Fahrerisch eine Herausforderung …

Den Rückweg nutzen wir für den einen oder anderen Fotostopp, bevor wir auf den „Suleskarvegen“ abzweigen, eine alte Handelsstraße, die über eine fantastische Fjell führt. Mehr als 1.000 Meter hoch liegt der höchste Punkt, die Temperaturen hier noch bei maximal 13 Grad – und Deutschland schwitzt bei fast 40 Grad. Da haben wir es besser.

Ein Tankstopp noch kurz vor Hotel – und während die Teilnehmer schon ihre Koffer aufs Zimmer tragen, werfe ich noch einen Blick in die alte Kirche von Rystad, die mit einer „offenen Tür“ wirbt …

Unser Hotel liegt idyllisch am Fluss Otra, der aufgrund seiner Breite fast wie ein Fjord wirkt.

Die Küche verwöhnt uns mit „Speka Fjellaure“, „Kjøttkaker“ als Hauptspeise und einem typisch norwegischen Nachtisch mit einem unaussprechlichen Namen: Tildekka Stakkejente. Heißt soviel wie „das arme verschleierte Mädchen“. Apfelmus und Sahne werden wechselweise übereinander geschichtet, dazu noch Krokant – sehr lecker.

Morgen geht es Richtung Roldal – mal schauen, wie sich das Wetter entwickelt. Gute Nacht …