
Zugegeben: ein wenig vermessen ist es schon, die kleine Straße am Valwiger Berg als „Stilfser Joch“ der Mosel zu bezeichnen. Statt 48 Kehren sind hier nur zwei in den Hang trassiert – die aber schon ein wenig tricky sind. Anders als im Ortler-Massiv ist der Asphalt aber kaum autobreit und herrlich kurvig, statt auf nackten Fels blickt man auf steile Weinberge und die Mosel im Tal. Und: eine Gemeinsamkeit gibt es mit den Alpen – in den Weinbergen über Valwig lebt der Apollofalter, eine Wärme liebende Schmetterlingsart, die normalerweise nur in alpinen Gebieten vorkommt.



19 Motorradfahrer stehen an diesem Samstagmorgen am Treffpunkt in Heidenfahrt; 17 Teilnehmer und zwei Tourguides – so viele waren wir noch nie! Bei strahlendem Sonnenschein werfen wir uns um 9 Uhr ein kurzes Stück auf die Autobahn um dann, hinter Bingen, über die B9 am Rhein entlang zu cruisen. In Rheindiebach ist es mit der Beschaulichkeit vorbei, wir zweigen auf die Rheingoldstraße ab und nehmen hinter Manubach die ersten engen, herausfordernden Serpentinen unter die Räder, die uns mitten durch die Weinberge führen.









Kurvenreich geht es durch den Hunsrück; die Fahrt durch die Burgenstadt Kastelaun wird mit neun Motorräder „im Schlepp“ zur kleinen Herausforderung, dann ist das erste Etappenziel erreicht: Mörz, ein kleines Sackgassendorf.
Eine Handvoll Straßen gibt es hier, buntes Fachwerk, ein altes Backes, Blumenwiesen. Der Sänger Thomas Anders wurde in Mörz am 1. März 1963 geboren, weiß zumindest Google. 200 freundliche Einwohner leben heute hier. Eine davon ist Kati, die uns in ihrem Hotel „Zum Mühlental“ herzlich bewirtet.Wir sitzen auf der Terrasse im Schatten und genießen die kurze Auszeit.
„Kuchen? Nein Kuchen habe sie leider keinen da“, meint sie bedauernd. „Vielleicht könnt Ihr uns alternativ ein paar Eier mit Speck in die Pfanne hauen, schlage ich ich vor. Wenig später steht das „zweite Frühstück“ dampfend auf dem Tisch. Danke.





Die nächsten 75 Kilometer sind so ganz nach unserem Geschmack. Wir schlagen uns einmal quer über den Hunsück Richtung Zell an der Mosel, um dann in vielen Schleifen, die uns in endlosen Kurven und Kehren durch zahlreiche Seitentäler führen, Valwig zu erreichen. Wir biegen in die Kreuzstraße ab, fahren durch den alten Ortskern und stürzen uns mit Lust in die erste Serpentine. Steil führt das schmale Asphaltband bergab; gut 300 Höhenmeter gilt es zu überwinden.







Wenig später rollen wir auf dem Parkplatz des Landgasthaus Kaster aus. Hier wollen wir Mittag machen. Es gibt Schnitzel, Gulasch oder einen Salatteller – alles sehr lecker.

Direkt neben dem Landgasthof steht die Wallfahrtskirche St. Maria und Maria Magdalena. Entstanden aus einer frühromanischen Kapelle aus dem 13. Jahrhundert wird das Gnadenbild der „Gnadenbild der wundertätigen Mutter vom Berge“ verehrt, eine Muttergottes-Statue um 1400. Kamen zu früheren Marienfesten täglich bis zu 2000 Pilger, finden Wallfahrten heute in deutlich kleinerem Rahmen statt.









Nach dem Essen stürzen wir uns das „Stilfser Joch“ der Mosel wieder hinab und fahren, einmal quer durch den Hunsrück, zurück an den Rhein. Nahe Sankt Goar, mit fantastischem Ausblick auf den Felsen der Loreley, legen wir unsere nachmittägliche Kaffeepause ein. Das enge Rheintal wurde in früheren Zeiten vielen Rheinschiffern zum Verhängnis …











Die Sonne verschwindet langsam hinter dem mächtigen Rheingaugebirge, als ich mich auf den Heimweg machen. Einmal mit der Fähre über den Rhein, kurzer Fotostopp mit Blick auf „Burg Katz“, dann geht’s in den Taunus. Unterwegs halte ich ein paarmal zum Fotografieren, gönne mir auf halber Strecke noch einen Früchtebecher in Bad Schwalbach, dann geht’s über die „Hohe Wurzel“ – dem höchsten Punkt des heutigen Tages – langsam nach Hause. Mit einem herrlichen Sonnenuntergang neigt sich dieser erlebnisreiche Tag dem Ende zu. Schön war es wieder mit Euch; danke 😉











HINTERGRUND:
Den Routenverlauf der Tagestour haben wir mit der App „Reliefe“ visualisiert.
Hier ist der entsprechende Link:
https://www.relive.cc/view/vNOPEQVE426

Wenn Du den Streckenverlauf auf einer Landkarte anschauen möchtest, kannst Du das auf unserer „AllTrails“-Seite tun:
https://www.alltrails.com/explore/map/map-3e60e09-7
Und das wäre der Höhenverlauf:

AUSBLICK:
Die nächste Tagestour der vhs hat am Samstag den 21.9.2024, die Felseneremitage in Bad Kreuznach zum Ziel, die wir (ausnahmsweise) von Innen besichtigen dürfen.
https://www.vhs-mtk.de/kurssuche/kurs/Mit-dem-Motorrad-zur-Felseneremitage/V0100305
Zum Saisonabschluss fahren wir am 19.10.2024 zur Felsenkirche nach Idar Oberstein, die wir ebenfalls besichtigen werden. Dazu müssen 222 Stufen erklommen werden …
https://www.vhs-mtk.de/kurssuche/kurs/Motorrad-Abschlusstour-zur-Felsenkirche/V0100306
Anmeldungen sind über die Website der vhs möglich. Einfach auf den Link klicken.





