Monatsarchiv: Mai 2012

307 Kilometer Sonnenschein

Kurz vor 7 Uhr klingelt der „Wecker“. Ein wenig verschlafen wanke ich zum Balkon, um zu schauen, wie das Wetter wird. Gerade blinzelt die Sonne über die Bäume, die an Ufer der Sarthe stehen, leichte Nebelschwaden ziehen übers Wasser – ein fantastisches Schauspiel. Schnell den Foto geholt, das muss im Bild festgehalten werden.

Nach dem „kleinen Frühstück“, das seinem Namen alle Ehre macht, brechen wir auf. Unser erstes Ziel ist der Dolmen „La Roche aux Fees“; ein megalithisches Grab, dessen Felsplatten einst von zierlichen Feen im „Nachthemd“ transportiert worden sein sollen.

Auf kleinen Nebenstraßen erreichen wir zur Mittagszeit Guer. Links das Rathaus, rechts die Kirche und direkt an Marktplatz eine kleine Bar. Baguette mit Schinken und Käse lautet die Empfehlung, doch für acht Motorradfahrer reicht das Brot nicht mehr. Schnell wird einer der Stammgäste gebeten, zum Bäcker zu laufen und Nachschub zu ordern. 10 Minuten später hat jeder von uns etwas zu essen. So etwas gibt es nur in Frankreich!

Bald darauf erreichen wir die „Pierres Droites“, zahlreiche „Hinkelsteine“, die vor Jahren durch Zufall gefunden und wieder aufgerichtet wurden. Da wir in der Vorsaison unterwegs sind, ist das Kassenhäuschen noch nicht besetzt; 5 Euro gespart.

Die investieren wir wenig später in teuren Sprit. Ulrichs Honda braucht dringend Nachschub; die nächste Tankstelle findet sich in Rochefort-en-terre. In exklusiver Lage, auf einem Plateau neben der Burg gelegen, ruft der Tankwart freundliche 1,78 Euro für den Liter Superbenzin auf!

Kurz bevor wir am Nachmittag Vannes erreichen, unser heutige Etappenziel, fahren wir noch einmal direkt an den „Golfe du Morbihan“ und trinken in Port-Navalo, mit Blick aufs Meer, noch einen leckeren Kaffee. Immer noch scheint die Sonne und es ist ordentlich warm. Waren es heute morgen um 7 Uhr gerade einmal 4 Grad sind es jetzt deutlich über 20 Grad – so könnte es bleiben 😉

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Schon beeindruckend und irgendwie unerklärlich, wie diese riesigen Steine vor Tausenden von Jahren zu einer Grabstätte aufeinander getürmt worden sind

Sechs Volltreffer am ersten Tag

Die Sonne scheint schon früh am Morgen, auch wenn die Temperaturen noch angenehm frisch sind. Nach einem ausgiebigen Frühstück und einem kurzen „Morgengebet“ auf dem Hotelparkplatz starten wir um 9 Uhr die Motoren.

Aus Orleans herauszufinden, ist gar nicht so einfach. Eine indifferente Verkehrsführung und so mancher unübersichtliche Kreisverkehr verwirren unsere Sinne. Gut 50 Kilometer später stehen wir gleichwohl vorm Schloss Chambord. Direkt vor der Zufahrt zum Schloss legen wir unseren Fotostopp ein und sparen uns so Parkgebühren und lange Fusswege (Treffer 1).

Wenig später sitzen wir in einem winzigen Dörfchen im „Café de la place“ und genießen einen Espresso. Für einen Sonntagmorgen im Mai, abseits der großen Straßen, ist das schon ein besonderes Glück (Treffer 2).

Wenig später folgen wir dem Lauf der Loire und genießen immer wieder herrliche Ausblicke. Die Suche nach einer Möglichkeit Mittag zu essen gestaltet sich im Anschluss erwartungsgemäß schwierig. Auch wenn so mancher Ort auf der Landkarte recht groß ausschaut, ein Restaurant oder eine Bar findet sich in den wenigsten. Und wenn, ist sie geschlossen.

Unverhofft stoßen wir in „La Roche Racan“ auf die „Auberge de l’Escotais“ in dem es neben dem Tagesgericht noch so manch andere Leckerei gibt (Treffer 3).

Mehr zufällig halten wir im Anschluss auch an der „Abbaye de la Clarte Dieu“, die wir am Rande einer winzige, mit C klassifizieren Straße entdecken. Während wir ein paar Fotos machen, kommen wir mit dem Besitzer ins Gespräch, der die Ruine vor einigen Jahren nebst Wohnhaus gekauft hat und seine Zeit jetzt mit Restaurierungsarbeiten verbringt (Treffer 4).

Bald darauf wartet die nächste Herausforderung auf uns: Irgendwo im nirgendwo gilt es am Sonntagnachmittag eine Tankstelle zu finden, an der es auch Sprit gibt. Also einen Blick in die Landkarte geworfen und die nächst größere Stadt gesucht.

La Fleche liegt nahe der Route ; laut Navi soll es da am Supermarkt auch eine Tankstelle geben. Das stimmt hoffnungsvoll. Nachdem wir uns wenig später mehrfach vergeblich und schließlich doch erfolgreich durch das mehrsprachige Menü des Tankautomaten gequält haben, sind die Benzinvorräte wieder aufgefüllt. (Treffer 5).

Jetzt gilt es nur noch ein Café zu finden. Auch das ist in der ländlich geprägten Region, in der wir unterwegs sind, nicht ganz einfach. In der Durtal werden wir schließlich fündig und machen, im Schatten der mächtigen Burg noch einmal Pause (Treffer 6).

Kurz nach 18 Uhr treffen wir in unserem Hotel in Chateuneuf-Sur-Sarthe ein. Das Feierabendbier genießen wir in der Abendsonne am Flussufer und ziehen zufrieden Bilanz: der heutige Tag war klasse, die noch folgenden werden nicht minder abwechslungsreich sein.

Morgen fahren wir nach Vannes und werden damit endlich die Bretagne erreichen. Auf die Atlantikküste sind wir schon sehr gespannt.

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Dem Kampf gegen die französischen Automaten-Tankstellen haben wir letztendlich gewonnen! Zwischenzeitlich werden auch EC-Karten akzeptiert.

Mit Sonnenschein nach Frankreich

Gut 700 Kilometer beträgt die Distanz aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Orleans im Herzen von Frankreich. In einem Tag zurückgelegt, bedeutet dies überwiegend Autobahn zu fahren. Ärgerlich und in Frankreich noch dazu teuer, weil zumeist mautpflichtig – aber zielführend.

Auf geht’s. Und doch wird es wieder 9 Uhr, bis ich loskomme. Über die A 60 geht’s zunächst nach Saarbrücken und dann durch die Champagne und die Ausläufer des Burgund in jene Stadt, in der einst die „Heilige Johanna“ erfolgreich gegen die britischen „Besatzer“ kämpfte und dafür auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Grausame Geschichte.

Wir haben in einem Vorort von Orleans ein Hotel gebucht, mit Schwimmbad und netter Sonnenterrasse, so dass die Zeit, bis auch die letzten eingetroffen sind, wie im Fluge vergeht. Lutz, der sich zu Beginn der Saison eine neue K 1300 S gegönnt hat, war schon am Donnerstag losgefahren. Freitag hatten sich dann Christoph, Roland, Thorald und Wolfgang auf den Weg gemacht, ebenso wie Günter und Bettina. Alle anderen waren erst am Samstag unterwegs.

27 Personen zählt unsere Gruppe: 21 Teilnehmer, 3 Tourguides, 1 Sozia sowie die „Besatzung“ unsers Begleitbusses. Kurz nach 18 Uhr waren die Letzten, bei strahlendem Sonnenschein, am Hotel eingetroffen.

Morgen wollen wir einen Abstecher nach Chambord unternehmen, um einen Blick auf eines der größten Loire-Schlösser zu werfen und dann geht es immer weiter, Richtung Westen.

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Die meisten erfrischen sich lieber innerlich am Pool, als in´s doch reichlich frische Wasser zu springen. Verständlich, oder?